Film-Tipp: »In die Sonne schauen« – Was von einem Leben bleibt
Ein alter Vierseitenhof in der Altmark. Vier Mädchen und junge Frauen, die dort zu unterschiedlichen Zeiten aufwachsen: in den 1910er-, 1940er-, 1980er- und 2020er-Jahren. Ihre Geschichten überlagern sich, spiegeln und berühren einander und scheinen manchmal für einen Augenblick ineinander überzugehen.
»In die Sonne schauen« von Mascha Schilinski ist ein Film, der wenig erklärt. Wir erfahren vieles in kurzen Szenen, beiläufigen Sätzen, Blicken und Geräuschen. Manche Zusammenhänge erschließen sich allmählich, andere bleiben offen. Dabei wird der Hof zu einem Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart auf eigentümliche Weise miteinander verbunden scheinen. Auch durch tradierte „blinde Flecken“ auf die Familiengeschichte.
Identität und Tod, Anziehung und Abhängigkeit, das Vergehen der Zeit – viele Motive ziehen sich durch die Geschichten. Zugleich erzählt der Film Geschichten aus einem Jahrhundert konsequent aus weiblicher Perspektive. Im Zentrum stehen Mädchen und Frauen, deren Lebenswelten sich von Generation zu Generation erheblich verändern, zwischen denen sich aber auch überraschende Parallelen ergeben.
Besonders auffällig ist das ungewöhnliche Bildformat: fast quadratisch im 4:3-Format. Der Blick ist fokussiert, doch auch begrenzt. Wir sehen nie alles, bleiben nah an der Wahrnehmung der Figuren. Auch die Sprache trägt zur besonderen Atmosphäre bei, vor allem das markante Plattdeutsch in der frühesten Zeitebene.
»In die Sonne schauen« ist kein Film zum beiläufigen Konsumieren. Man muss nicht sofort alle verwandtschaftlichen Beziehungen und Zeitebenen verstehen. Lohnender ist es, sich auf die Atmosphäre und die wiederkehrenden Motive einzulassen.
Ich habe den Film inzwischen ein zweites Mal gesehen. Dabei habe ich manches neu entdeckt und andere Szenen mit einem veränderten Blick wahrgenommen.
2025 wurde »In die Sonne schauen« bei den Filmfestspielen in Cannes mit dem Preis der Jury ausgezeichnet und erhielt 2026 zehn Deutsche Filmpreise, unter anderem für den besten Film, die beste Regie, das beste Drehbuch und die beste Kamera.
Eine nachdrückliche Empfehlung für alle, die bereit sind, sich auf einen ungewöhnlichen Film einzulassen, der lange nachwirkt.
»In die Sonne schauen« ist eine Produktion von »Das kleine Fernsehspiel« und noch bis 15.09.2028 in der ZDF-Mediathek zu sehen.





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»In die Sonne schauen« in der ZDF-Mediathek
Mehr Information zum Film bei Neue Visionen Filmverleih
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