Alltagsspuren: „Enjoy your Sports“ – Willkommen in der Holzklasse!
Der Dezember hatte gesprochen. Eigentlich war es noch der November, aber so richtig gehört hab ich die Botschaft erst im Dezember. Der letzte Freitag im November war jedenfalls am Abend dafür vorgesehen, mich zu entspannen.
Es mag sein, dass ich mich ein wenig heftig zur Entspannung zwingen wollte – in jedem Fall begannd das jahresendliche Abenteuer mit einem sehr schönen Saunagang – und einer sehr kompeteneten Versorgung durch durch „präklinische Einsatzkräfte“, die mich erfolgreich aus der Sauna nach einem kurzen persönlichen Systemausfall in die klinische Versorgung nach Lünen verfrachteten.
Dabei hatte mein Körper durchaus versucht, Kontakt aufzunehmen: Nicht laut, aber deutlich – in Form von Rückenschmerzen, sehr seltsamen Schlafgewohnheiten, einer ausufernden Grundgereiztheit, einem Blutdruck, der ambitionierter war als ich – nun aktiv von einem Plural ärztlicher Stimmen deutlich unterstützt: freundlich, aber unmissverständlich. Mediterrane Ernährung, mehr Bewegung und weniger Bildschirmzeit wurden angeraten – und massiv: Stressabbau.
Dezemberträume
Das wird natürlich alles im Handumdrehen gelöst werden, so behauptete der Kopf. Aber erst noch dies und das erledigen, und dann ist Weihnachten, und die Kollegen können ja auch nicht alleine gelassen werden – und überhaupt war das ja nur kurz und es ist so viel zun tun…
Jahreswechsel
Also tat ich erst im Januar das, was entschlossene Menschen jetzt und sofort tun: Ich meldete mich im Fitnessstudio an.
Einem, das erst gegen acht öffnet – weil ich kein Mensch bin, der um fünf Uhr morgens in Sportkleidung leuchtet.
Einem, das sich per App bedienen lässt – weil Technik meine Komfortzone ist.
Und einem, das hier in Selm liegt und einen automatisierten Geräte-Zirkel anbietet: Chip anlegen, identifiziert sein, trainieren, Daten werden erfasst, App wird glücklich. Kein Trainer, der einen dauernd anschaut. Kein Kursplan, dem man hinterherlaufen muss. Einfach Mensch und Maschine, ganz unter sich.
Es funktionierte überraschend gut. Und überraschend war auch, was ich sonst noch vorfand. Die Vermieterin. Bekannte. Menschen, die man aus dem Alltag kennt und die man hier mit dem freundlichen Nicken begrüßt, das solche Situationen verlangen – nicht zu viel, nicht zu wenig. Gelegentlich ein kurzer Plausch, weil man sich ja ohnehin kennt. Aber insgesamt herrscht eine unausgesprochene Übereinkunft: Man ist hier mit ernsthafter Absicht, und die lässt man einander in Ruhe. Ein Bekannter, den ich dort traf, brachte es auf den Punkt: „Im Januar ist es hier immer deutlich voller. Das nimmt dann im Laufe des Quartals so ein bisschen ab.“ Ich lachte noch darüber. Zu früh, wie sich herausstellen sollte.
Ich kam, ich schwitzte, ich fuhr nach Hause. Die Punkte in der App stapelten sich, und ich gestattete mir sogar ein leises Wohlgefallen an mir selbst. Einmal wagte ich mich sogar in einen Body-Workout-Kurs – neunzehn Uhr, Matte, Musik, eine Gruppe überwiegend sehr ernsthafter Frauen und ein, zwei Männer, die ebenso tapfer mitmachten. Gut, es war definitv nicht bitterernst. Aber schon ernsthaft. Dreiviertelstunden später war ich erschöpft, ein bisschen stolz und fest entschlossen, das öfter zu tun.
Das war im Januar.
Weil faul und technikverliebt kein Widerspruch sein muss, hatte ich parallel noch eine weitere Front eröffnet: Denn das Netz ist gefüllt mit Apps, die dabei helfen sollen, unssitliches Verhalten in Bezug auf die eigene Gesundheit abzustellen. Die wurden mir natürlich prompt präsentiert (von wegen: „weniger Bildschirmzeit“)
Beeindruckend: eine Ernährungs-App mit einem kleinen Waschbären, der über Instagram in mein Leben gehüpft war und versprach, einfach das Essen zu fotografieren – und schon wisse man, was drinsteckt. Das Konzept ist bestechend simpel. Und der Waschbär schaut einen mit großen Augen an, die sagen: Bitte füttere mich mit Daten. Die Werbung behauptet: Es ist erstaunlich wirksam, wie ein animiertes Tier die Motivation zu Dingen erzeugen kann, die man sonst (un)vernünftigerweise ignorieren würde.
Dann kam der noch nicht ganz gelungene Stressabbau dazwischen. Und obwohl ich so schön vorwärts gekommen war, stehe ich nun – am Ende des ersten Quartals – wieder am Anfang. Der Kollege hatte recht. Ich bin offenbar Teil der statistisch vorhergesagten Abnahme.
Willkommen in der Holzklasse. Keine Businesslounge, keine Premium-Mitgliedschaft im Club der Konsequenten – aber immerhin: ein Ticket, das noch gültig ist. Und eine App, die geduldig wartet. Und eine weitere, die mich mit ihrem Gemaule über meinen Blutdruck durchaus beeindruckt, ganz ohne Waschbären.
Ob mich das motiviert, wieder aufzusteigen? Das frage ich mich auch. Das zweite Quartal hat begonnen. „Challenge accepted“. Ich werde berichten…
Nebenbei Zusatzaufgaben:
a) Was ist mit einem vierten Fitness-Studio in nördlichen Industriegebiet?
b) Gibt es wirklich nichts in Bork?
c) Eigentlich müsste da noch eine Studio nur für Frauen sein?
d) Was bietet die Stadt sonst gerade für Fitness?
Die Fitnessstudios in Selm — ein ausbaubarer Über-Blick zur Orientierung:
| Studio | Adresse | Öffnungszeiten (Mo–Fr) |
|---|---|---|
| Clever fit Selm | Münsterlandstraße 23 | 06:00–23:00 Uhr |
| INJOY Gym & Swim (4Elements) | Sandforter Weg 2 | 08:00–21:00 Uhr |
| PRO-ACTIVE Fitnesscenter | Sandforter Weg 31 | 10:00–22:00 Uhr |

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