Hallenbad Selm: Kündigung, Optionen und politische Perspektiven

Hallenbad Selm: Kündigung, Optionen und politische Perspektiven
Gehen hier die Lichter aus? Das Hallenbad in Selm steht vor der Schließung

Der Betreiber des Hallenbads am Sandforter Weg hat den Nutzungsvertrag gekündigt. Ab 15. April 2026 ist das Bad laut Mitteilung der Stadt Selm nicht mehr für Schul- und Vereinssport nutzbar. Damit steht die Stadt vor der Frage: Wie kann Hallenschwimmen künftig verlässlich gesichert werden?

Kündigung mit Stichtag

Die Stadt Selm hat bestätigt, dass der Betreiber den Nutzungsvertrag für das Hallenbad gekündigt hat. Eine Einigung über ein neues, höheres Nutzungsentgelt sei nicht zustande gekommen. Aktuell beträgt es rund 16.000 € monatlich, kostendeckend seien 52.000 €, so eine Vorlage der Stadtverwaltung an den Rat (RN, 05.07.2025).

Der Zeitpunkt ist klar benannt: Ab 15. April 2026 können Schulen und Vereine das Bad am Sandforter Weg nicht mehr nutzen.

Überraschend kommt dieser Schritt nicht. Diskussionen über Nutzungsentgelte, Sanierungsbedarf und wirtschaftliche Tragfähigkeit beschäftigen Politik und Verwaltung seit Monaten. Trotzdem markiert die Kündigung eine Zäsur – vor allem für Schulschwimmen und Vereinsbetrieb.

Mehr als Freizeit: Warum ein Hallenbad zählt

Ein Hallenbad ist in einer Kommune weit mehr als Freizeitangebot. Es ist Infrastruktur für:

  • Schulschwimmen
  • Vereinstraining (z. B. DLRG)
  • Gesundheits- und Präventionsangebote
  • Begegnung und Teilhabe für Familien und Generationen

Gerade vor dem Hintergrund steigender Nichtschwimmerquoten ist wohnortnaher Schwimmunterricht nicht nur Sport-, sondern auch Bildungs- und Sicherheitspolitik.

Politischer Stand: Prüfauftrag für tragfähige Lösungen

SPD und CDU haben einen gemeinsamen Antrag eingebracht, um das Thema strukturiert voranzubringen.
Genannt werden beispielsweise:

  • Fördermöglichkeiten (auch in Abstimmung mit dem Kreis Unna)
  • wirtschaftliche Bewertung eines möglichen Rückkaufs
  • Abwägung Sanierung vs. Neubau
  • Prüfung von Eigen- oder Investoren-/Mischmodellen

Ziel ist eine belastbare Entscheidungsgrundlage – einschließlich Wirtschaftlichkeitsrechnungen und klarer Kostenbilder.

Weitere Positionen im Rat

Die UWG hat sich für eine Einigung mit dem Betreiber eingesetzt, um zumindest eine Übergangsphase zu ermöglichen. In ihrer Stellungnahme warnt sie vor Containerlösungen oder dauerhaften Busfahrten in Nachbarkommunen als „Ersatz“ und fordert belastbare Finanzierungsmodelle.

„Stark für Selm“ setzt den Schwerpunkt auf die Sicherung des laufenden Schwimmbetriebs während aller Prüfungen und spricht sich für ergebnisoffene Zusatzmodelle aus – etwa Bürgerbeteiligung oder Genossenschaftsmodelle.

Optionen und die wirtschaftliche Realität

Das Gebäude ist ein älterer Bestand, aus den 1970er-Jahre. Steigende Energie- und Betriebskosten sowie die Haushaltslage begrenzen den Spielraum.

Im Raum stehen grundsätzlich vier Wege:

  1. Rückkauf des Bestands
  2. Umfassende Sanierung
  3. Neubau in kommunaler Trägerschaft
  4. Investoren- oder Mischmodelle

Welche Variante tragfähig ist, hängt an transparenten Zahlen, Förderperspektiven und einem realistischen Zeitplan.

Blick in die Region

Ein Blick in Nachbarkommunen zeigt die Spannbreite: In Nordkirchen ist das Hallenbad seit Jahren geschlossen. In Olfen soll das Hallenbad 2026 nach umfangreicher Sanierung wieder öffnen. Solche Beispiele machen deutlich: Ob Schließung, Übergangslösung oder Wiedereröffnung – am Ende entscheiden Finanzierung, Planungstiefe und politische Durchhaltefähigkeit.

Ausblick

Die kommenden Monate werden zeigen, ob Rat und Verwaltung eine tragfähige, finanzierbare Lösung entwickeln können. Klar ist: Selm braucht eine Perspektive für Hallenschwimmen. Offen ist, in welcher Form und unter welchen Bedingungen diese Perspektive umgesetzt werden kann.

Kurz erklärt: Was ist jetzt sicher?

  • Der Betreiber hat den Nutzungsvertrag gekündigt.
  • Ab 15.04.2026 ist das Hallenbad laut Stadt nicht mehr für Schul- und Vereinssport nutzbar.
  • Streitpunkt war laut Stadt u. a. die Frage eines höheren Nutzungsentgelts, über das keine Einigung erzielt wurde.

Welche Optionen werden diskutiert?

  • Rückkauf
  • Sanierung
  • Neubau
  • Investoren-/Mischmodelle (ggf. ergänzend Bürgerbeteiligung)

Was ist der Knackpunkt?

  • Verlässliche Schwimmzeiten (Schulen/Vereine) + tragfähige Finanzierung + realistischer Zeitplan.

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