Eins und eins zusammenzählen …

Zwei Leistungskurse musste ich im vergangenen Jahrtausend erfolgreich mit Punkten füllen, um ein effektiv wirksam einzusetzendes Abiturzeugnis zu erhalten.

Der nur geringfügig weniger ertragreiche der beiden ausgewählten Kurse war in persönlicher Perspektive damals: “Mathematik”. Bis heute fasziniert es mich, wenn Menschen “Mathe” wie eine intuitiv erfahrbare Wissenswelt erfahren.

Dennoch ist “ein wenig” hängen geblieben.

Das muss darin begründet sein, dass die Richtlinien und Lehrpläne wohl auch damals schon hehre Ziele für den Mathematikunterricht wie heute formulierten:

Mit meinen nur beschränkt mathematisch geprägten Instinkten frage ich mich also, wie die Anwendung von Mathematik am Ziel vorbeischießt, wenn Folgendes geschieht:

In unserer eher kleineren Stadt wird politisch beantragt, dass der Schulausschuss des Rates seine fachliche Kompetenz erweitern möge.

Denn:

“Der Ausschuss für Schule, Bildung und Sport berät Vorlagen und diskutiert Themen, die alle Selmer Schulen direkt betreffen.”

Das klingt überzeugend, denn im Sinne der Teilhabe, der Partizipation, sollten schließlich alle an den Entscheidungen beteiligt werden, die sie betreffen.

Daher eine gute Idee, den “Selmer Schulen” eine Stimme in den Beratungen zum Thema “Schule” zu geben. Oder zumindest den “Selmer Schulen”, deren Träger die Stadt Selm ist. Also nicht der Förderschule im “Förderzentrum Kreis Unna Nord -Standort Bork”, die vom Kreis Unna getragen wird.

Daher also eine (etwas präziser) gute Idee, den drei Grundschulen, der Selma-Lagerlöf-Sekundarschule und dem Städtischen Gymnasium Selm eine Stimme in den Beratungen des Schulausschusses zum Thema “Schule” zu geben.

Die Idee ist so gut, dass sie sogar bereits umgesetzt ist.

Gleich im November 2020 hat der Rat der Stadt festgelegt, dass (wie auch schon bisher) der Ausschuss für Schule, Bildung und Sport in Ergänzung zu den stimmberechtigten Mitglieder jeweils um die beratenden Stimmen der Vertretungen der

  • katholischen Kirche, der evangelischen Kirche, der Schulen für das Thema “Schule”
  • Sportvereine im Stadtsportbund für das Thema “Sport”
  • Senioren- und Behindertenbeirat für alle Themen

ergänzt werden sollen.

Warum genau die beiden Kirchen jeweils eine Vertretung entsenden dürfen?

Nun, zumindest gilt die Ludgeri-Grundschule als Bekenntnisgrundschule.

Eine evangelische Bekenntnisgrundschule gibt es nicht mehr in Selm.

 

Für die Schulen übernimmt der Leiter Gymnasiums diese Aufgabe, vertreten von einer Grundschulleiterin. Der Stadtsportverband entsendet seinen Vertreter, der Senioren- und Behindertenbeirat entsendet eine Vertreterin.

Von November 2020 bis zum Ende 2021 übernimmt der Leiter des Städtsichen Gymnasiums diese Aufgabe – dann scheidet er aus dem Schuldienst aus, und die Vertretung “der Selmer Schulen” wird von der Leiterin der Städtischen Sekundarschule übernommen – die Vertreterin bleibt eine Grundschulleiterin.

Das ist, so lässt das Protokoll zur Abschiedssitzung mit Ulrich Walter erkennen, eine Entscheidung “der Selmer Schulen” als Antwort auf eine entsprechende Anfrage der Verwaltung.

 

Nun argumentiert aber ein Antrag zur nächsten Ratssitzung anders und inhaltlich weitergehend:

Es sei “zweckmäßig, in jedem Fall mindestens einen Vertreter oder eine Vertreterin jeder Schulform als beratendes Mitglied zu den Sitzungen … hinzuzuziehen.”

Klingt wiederum überzeugend. Inhaltlich.

Aber

Zum einen haben “die Selmer Schulen” für sich bislang jeweils einen Vertreter, eine Vertreterin ihrer Interessen und ihrer Wahl in den Ausschuss entsandt.

Sicherlich werden sie sich entsprechend “die Selmer Schulen” freuen, dass nun “jede Schulform” einen Vertreter, eine Vertreterin entsenden soll, um die “Ausschussarbeit als weitere engagierte und kompetente Stimme … in erheblichem Maße” zu unterstützen.

Und – zum anderen – das würde dann ja auch mit einer gewissen Logik die Entsendung von drei (!) Vertretungen erfordern:

  • für die Grundschulen
  • für die Sekundarschule
  • für das Gymnasium

Schlecht nur, dass bislang laut Beschluss des Rates ein Vertreter, eine Vertreterin für “die Selmer Schulen” spricht und sprechen soll.

Schwieriges Mandat, dann auch noch gleichzeitig explizit für die eigene Schulform zu sprechen…

Rechne ich also mal zusammen, was sich hier als “Grunderfahrung” sozialer (und damit auch politischer) Vorgänge mathematisch “wahrnehmen, verstehen, beurteilen und beeinflussen (!)” lässt,

dann komme ich zu dem Ergebnis, dass

  • entweder
    • a) sich jede Schulform selbst (das wäre neu) verteten soll
    • b) “die Selmer Schulen” eine Stimme im Ausschuss haben (das wäre alt)
    • c) damit eine deutliche Veränderung der Ausschussstruktur erfolgen würde
  • oder
    • a) die Einigkeit “der Selmer Schulen” in der Wahrnehmung der Antragsteller kritisch geworden ist
    • b) alternativ unbedingt die Leitung des Gymnasiums eine Stimme im Ausschuss bekommen soll
    • c) das wiederum wird bestimmt nichts, aber auch rein gar nichts mit den zu erwartenden Diskussionen um die eventuellen Veränderungen in der Selmer Schullandschaft zu tun haben, die bereits im letzten Kommunalwahlkampf für heftiges Getöse verantwortlich waren
  • oder aber … irgendwie ist aus der laut Beschluss “einen” Vertretung “der Selmer Schulen” eine Doppelvertretung geworden, weil der Beschlusstext irgendwie in der Praxis nicht mehr ganz so wichtig ist. Aber das wäre blöd. Nicht nur für den Beschlusstext. Eindeutigkeit im politischen Handeln ist da schon hilfreich: entweder ein Mensch vertritt “die Schulen” – oder tatsächlich vertritt jede Schule oder Schulform sich selbst. Und ob das angemessen oder notwendig ist, sollte nicht irgendeine Praxis durch Praxis, sondern “die Politik” bewusst entscheiden
Nebenbei:
  • In der bisherigen Beratungsfolge seit Neuwahl des Rates 2020 gab es in öffentlicher Sitzung bislang regelmäßig Themen "der Selmer Schulen", zu denen aber bis auf eher minimale Ausnahmen keinerlei Positionierungen "der Selmer Schulen" protokolliert sind. Thema waren vor allem die Digitalisierung, coronabedingte Belastungen oder Förderprojekte, die Statistiken zur Schulentwicklung, die Situation der Geflüchteten an den Schulen.
  • Der Ausschuss hat immerhin bereits jetzt die imposante Größe von  15 Ratsmandaten und aktuell 5 beratenden Mitgliedern.
  • Die inhaltlich-konzeptionelle Weiterentwicklungen wie an der Overbergschule (Projekt-Einführung der "Rhythmisierten Ganztagsklasse" zum Schuljahr 2020/2021) werden jeweils von den betroffenen Schulen selbst berichtet - eine beschließende Zuständigkeit hat der Ausschuss hier nicht. 

Jesaja Michael Wiegard

Geborener Sauerländer, kerngebildet als Theologe, beruflich nun medienarbeitend, erfahren als Bildungswerker und Ressourcenbeschaffer, suchend und fragend, unterwegs seit 1967, zwischen Christentum und Sozialismus nach Gerechtigkeit suchend

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