“Heiße Tage” im Kreis Unna

Zunahme der Hitzetage im Kreis Unna um 80% in den letzten 30 Jahren

 Im Kreis Unna wurden zwischen 1961 und 1990 durchschnittlich 5 Hitzetage pro Jahr gezählt. Zwischen 1991 und 2020 waren es 9. Das ist ein Anstieg von 80 Prozent, dennoch liegt der Kreis Unna um 10%  unter dem Bundesdurchschnitt von durchschnittlich 10 Hitzetagen pro Jahr.

Diese Recherche ist Teil einer Kooperation von ZEIT ONLINE, SELMagazin und CORRECTIV.Lokal. Das Netzwerk recherchiert zu verschiedenen Themen und berichtet unter correctiv.org/klima langfristig über die Klimakrise.

Weitere Infos zu Hitze in Deutschland: zeit.de/hitzetote

Im Schnitt wurden in den letzten 10 Jahren jedes Jahr 7 Hitzewarnungen im Kreis Unna herausgegeben, auch hier liegt der Kreis um etwa 22% unter dem Bundesdurchschnitt.

Hitzewarnungen werden laut dem Deutschen Wetterdienst (DWD) dann herausgegeben, wenn eine „starke Wärmebelastung„ für zwei aufeinander folgende Tage vorausgesagt wird und die Temperaturen auch in der Nacht nicht abkühlt. Dabei werden zwei Warnstufen unterschieden. 

Eine „starke Wärmebelastung” liegt vor, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag bei etwa 32 Grad Celsius oder darüber liegt. Von einer „extremen Wärmebelastung” spricht der DWD, wenn die gefühlte Temperatur am frühen Nachmittag 38 Grad Celsius übersteigt.

Die Höchstzahlen im Kreis wurden 2012 und 2018 mit je 12 Hitzewarnungen erreicht, die niedrigste Anzahl in 2017 ohne jede Warnung.

Dazu passt, dass auch die Anzahl der hitzebedingten Krankenhauseinweisungen (Daten aus 2018 von der AOK) mit 359 je einer Million AOK-Versicherter, die älter als 65 Jahre sind, um gut 26 Prozent unter dem Bundesdurchschnitt von 488 lag.

Der Deutsche Wetterdienst informiert auf einer eigenen Seite über Hitzewarnungen bundesweit und gibt auch Tipps für die Prävention

Infografik: Heiße Tage in Deutschland | Statista Mehr Infografiken finden Sie bei Statista Statistik: Prozentuale Veränderung der hitzebedingten Todesfälle¹ in Deutschland im Zeitraum 2006 bis 2019 (im Vergleich zur Referenzperiode 2000 bis 2005) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Statistik: Besonders viele Hitzetote in 2018

Als “historische Hitzejahre” werden vor allem die Jahre 1994 und 2003 mit jeweils rund 10.000 hitzebedingten Sterbefällen erinnert – in den Jahren  2018, 2019 und 2020 gab es drei Jahre hintereinander signifikant höhere Sterbefallzahlen durch Hitze in einer Höhe von 8700, 6900 und 3700 geschätzten hitzebedingten Sterbefällen.

  • Der Sommer von 2018 gilt als der zweit-wärmste Sommer seit 1881 mit einer besonders langen Hitze-Periode von bis zu neun Wochen im südlichen Deutschland bzw. bis zu fünf Wochen im Rest der Republik.
  • In 2019 gab es immer wieder Unterbrechungen der Hitze-Perioden, was insgesamt trotz hoher Temperaturen das Leben der insbesondere Hochbetagten nicht so hart beeinträchtigte.
  • In 2020 dauerten die Hitzeperioden zwar erneut länger an, die Durchschnittstemperaturen lagen deutlich niedriger als in 2018.
  • Im letzten Jahr 2021 gab es nur kurze, vereinzelte Hitzewochen.

Prävention?

Das  Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change  (MCC) hat eine Studie auf der Basis der AOK-Versichertendaten erstellt, um Konsequenzen aus der zunehmenden Hitze zu ziehen:

“Hitzebedingte Gesundheitsgefahren sind ungleich in der Bevölkerung verteilt. Insbesondere die ältere und vorerkrankte Bevölkerung gilt als gefährdet. Eine effiziente Anpassung an zunehmende Extremtemperaturen im Zuge des Klimawandels setzt Wissen über die Determinanten der Hitze-Vulnerabilität voraus, um eine zielgerichtete Versorgung Schutzbedürftiger sicherzustellen.

Ziel der vorliegenden Studie ist deshalb die Identifikation von individuellen und regionalen Risikofaktoren für hitzebedingte Gesundheitsschäden bei der älteren Bevölkerung in Deutschland.

Hierfür werden mit statistischen Methoden des maschinellen Lernens die Abrechnungsdaten aller Krankenhausbehandlungen der über 65-jährigen AOK-Versicherten in den Jahren 2008 bis 2018 analysiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass Hitzetage für etwa ein Viertel der über 65-Jährigen ein deutlich erhöhtes Risiko einer Hospitalisierung darstellen.

Die besonders vulnerablen Versicherten sind im Durchschnitt häufiger männlich und leiden neben anderen chronischen Vorerkrankungen verstärkt unter Demenz und Alzheimer.

Vulnerable leben zudem vermehrt in ländlichen Gebieten mit mehr Altersarmut, in denen weniger Pflegebedürftige ambulant oder stationär versorgt werden und die unter derzeitigen Klimabedingungen weniger von Hitze betroffen sind.

Klimaprojektionen zeigen eine deutlich stärkere Hitzeexposition für viele dieser Orte mit besonders anfälliger Bevölkerung in der Zukunft. Ein ungebremster Temperaturanstieg bis 2100 könnte daher zu einem fünffachen Anstieg der hitzebedingten Hospitalisierungen führen.”

[Individuelle und regionale Risikofaktoren für hitzebedingte Hospitalisierungen der über 65-Jährigen in Deutschland // Hannah Klauber, Nicolas Koch In: Günster, C. et al (Hrsg.), Versorgungs-Report: Klima und Gesundheit. Berlin: Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft. DOI: https://doi.org/10.32745/9783954666270-5]

Wie gut ist Deutschland auf Hitzewellen vorbereitet?

In einem aktuellen Forschungsbericht ziehen Forschende aus verschiedenen Disziplinen und Institutionen eine verheerende Bilanz  für den Umgang mit Hitze in deutschen Behörden und Kommunen: „Es gibt keine Handlungsszenarien für außergewöhnlich extreme und komplexe Situationen, wie sie im Sommer 2021 in Südeuropa und Kanada aufgetreten sind.” Und das, obwohl diese Hitzewellen auch künftig in Deutschland auftreten könnten.  Weiter kritisieren die Forschenden, dass der Aufbau einer langfristigen Hitzeresilienz in Städten, Kommunen und Gesundheitseinrichtungen viel zu langsam starte.


Immerhin hat NRW als aktuell einziges (!) Bundesland eine “Zentrale Koordinierungsstelle” geschaffen, in der die Präventionsmaßnahmen und die notwendigen Hilfen zusammenlaufen können:

http://www.hitze.nrw.de/index.html

 

Im Kreis Unna gab es in 2021 im Juni einen einfachen Tipp zum präventiven Verhalten: “Hitzetipp – Trinken nicht vergessen”.

Aktuell warten wir auf weitere Informationen zum Kreis Unna – wir werden berichten.

Jesaja Michael Wiegard

Geborener Sauerländer, kerngebildet als Theologe, beruflich nun medienarbeitend, erfahren als Bildungswerker und Ressourcenbeschaffer, suchend und fragend, unterwegs seit 1967, zwischen Christentum und Sozialismus nach Gerechtigkeit suchend

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