Selmer Alltagsspuren – Gastro öffne dich!

Pfingsten verspricht ein Stück Normalität

Wie war das eigentlich? Ohne Gesichtsmaske in den Supermarkt zu gehen? Ohne das ständige Bedürfnis, die Hände unter jeden aufgestellten Desinfektionsmittelspender zu halten? Dieses innere Zusammenzucken, wenn man irgendwo einer fremden Person mit weniger als 1,5 Meter Abstand begegnete, das gab es alles noch gar nicht.

Wissen Sie eigentlich noch, was ein Biergarten ist? Menschen draußen, essen, trinken? Nein? Ich auch nicht. Eine fahle Erinnerung ist wohl noch da, ganz schwach. Aber das Gefühl dafür ist weg. Wie fühlte sich das nochmal an? Die Vorfreude auf das Bier im großen Henkelglas, schön kühl und schaumig? Wie fühlt es sich an, wenn die Nachbartische schon bedient sind, ich doch bald dran sein müsse, aber meine Bestellung noch nicht in Sicht ist? Vorfreude geht langsam über in Ungeduld. Und dann kommt das kühle, beschlagene Glas. Der erste Schluck, den Mund voll Schaum: Ah! Wie herrlich!

Anders herum fühlen sich derzeit einige Dinge seltsam an, die vorher wohl ganz normal waren. Wenn man beispielsweise Filme sieht, in denen sich Menschen in größeren Gruppen begegnen und sich nahe kommen, ohne Maske, sich umarmen, sich die Hand geben. Da will ich schreien: halt, das ist doch gefährlich! So sehr schon hat sich in den langen Monaten, in denen uns die Pandemie begleitet, die Wahrnehmung für „normal“ verschoben.

Pfingsten sind die Geschenke am geringsten

Als Jugendlicher hatte ich jedes Jahr einen Schülerkalender mit lustigen Sprüchen. Da stand zum Pfingstsonntags: „Pfingsten sind die Geschenke am geringsten“.

Das gilt nicht für dieses Jahr. Dieses Pfingsten verspricht nämlich ein sehr großes Geschenk: Ein Stück Normalität könnte zurückkehren. Die Außengastronomie darf öffnen. In einigen Landkreisen mit geringer Inzidenz gilt das sogar für den Innenbereich. Was kann ein größeres Geschenk sein, als Normalität, die man einen langen, dunklen Winter hindurch vermissen musste?

Aber bitte nicht falsch verstehen: Ich gehöre nicht zu denen, die da schreien, Frau Merkel hat uns alle inhaftiert, wir werden alle für eine vermeintlich falsche Politik bestraft, die Lufthansa wird entschädigt und von uns wird das Schlimmste verlangt und unsere Freiheit eingeschränkt! Da bin ich nicht dabei!

Nein. Ich halte nach wie vor die meisten Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie für sinnvoll. Ich konnte nachvollziehen, dass für verschiedene Stufen der Inzidenz unterschiedliche Lockerungen möglich sind. Ich renne so oft ich kann zum kostenlosen Coronatest und habe, da ich mich aktiv darum gekümmert habe, inzwischen eine erste Impfung mit Astra Zenca. Alles sinnvoll.

Rückblickend finde ich, dass die Schutzmaßnahmen eher zu wenig konsequent umgesetzt wurden. Ich finde das Tragen von Masken sinnvoll, nach wie vor. Ich vermeide immer noch allzu enge Begegnung mit zu vielen Menschen. Ich bin nach wie vor dankbar, das Homeoffice nutzen zu können.

Trotz alledem sehne ich mich nach der Normalität, nach Begegnung, nach Genießen und Leichtigkeit. Deshalb freue ich mich auf die nun öffnende Außengastronomie.

Dann sehe ich allerdings aus dem Fenster …

Jetzt müsste uns das Pfingstwochenende nur noch etwas Biergartenwetter schenken.

Oliver Hübner

Oliver Hübner - Autor, Blogger und Webgestalter aus Selm und Schwerin, geb. 1968 in Unna

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