Selmer Alltagsspuren: Menschenwechsel

Einmal Kreisstraße queren, bitte ... !

Die "Kreisstraße" verbindet als Bundesstraße 236 den Ortsteil Bork, in nördliche Richtung führend, mit dem Ortsteil Selm. Den Abstand zwischen den Ortsteilen füllen vorrangig Wiesen und Felder. Gegenüber der Haus-Berge-Straße, die in ein kleines Siedlungsgebiet östlich der Kreisstraße führt, liegt der alte jüdische Friedhof. Das Tempo auf diesem Streckenabschnitt ist auf 50 km/h reduziert - im Prinzip. Östlich der Autofahrbahn ist ein kombinierter und beleuchteter Geh-Rad-Weg. Eigentlich ist das die kürzeste Verbindung in Richtung der Schulen in Bork oder Selm - entsprechend viel genutzt ist auch die Bushaltestelle "Haus-Berge-Straße". In den kommenden Jahren werden das noch mehr Nutzer:innen werden, da sich auch das neue Baugebiet "Fährenkamp" über diese Straße erschließt.

2017: Die Angelegenheit nimmt neue Schwung

Mit der Einmündung in die “Haus-Berge-Straße” scheint kaum jemand der Autofahrenden zu rechnen, sie ist aus Richtung Süden recht schlecht hinter Baum und Haus versteckt.

Ein Seitenwechsel über eine Bundesstraße ist immer schwierig, vor allem im Halbdunkel des beginnenden Tages.

Noch 2016 zeigt ein verunfallter Fahradfahrer ein weiteres Problem auf: Autos, die aus der Haus-Berge-Straße herausfahren, kann mensch kaum vorausschauend sehen. Diese sehen den:die Radfahrer:in nicht, die von links oder rechts in einem normalen Fahrradfahrertempo unterwegs sind – blöde Situationen sind erwartbar.

Die Familien, die dort leben und sich Sorgen machen, nehmen im Frühjahr 2017 das Gespräch mit Politik und Verwaltung neu auf.

Gemeinsam werden erste grobe Ideen entwickelt. Die Stadt will sich kümmern. Dazu muss sie sich mit dem Eigentümer der Straße, dem “Landesbetrieb Straßen NRW” einigen. Erfahrungsgemäß eine komplexe Aufgabe für Menschen mit langem Atem.

2019: Kanalarbeiten und neue Einmündung

Von den Bauarbeiten im Herbst 2019 wurde kein Begeisterungssturm ausgelöst. Eher wurde der Gedanke formuliert: “Nicht schon wieder…!”. Dabei ging es um Gutes: Die Sanierung der Kanäle – und direkt im Anschluss um die Veränderung der Geh- und Radwegführung an der “Haus-Berge-Straße”.

Gut, es hatte ein wenig gedauert bis zu diesem ersten Schritt – aber die Radfahrer:innen konnten nun entlang der Kreisstraße durch die Umgestaltung der Einmündung deutlich sicherer unterwegs sein.

Ihre Priorität gegenüber dem Autoverkehr aus dem Siedlungsgebiet wurde eher unspektakulär umgesetzt.

2020: Erleuchtung an der Bushaltestelle

Seit November 2020 zeigten sich erste Zeichen der Veränderung – die Bushaltestellen beidseits der Straße lagen nicht mehr im Dunkeln – aber es blieb schwierig, hier die Straßenseite zu wechseln, was je nach Fahrtrichtung der zu nutzenden Busse natürlich notwendig ist.

2021: Die finale Fassung

Zwischen den Jahren 2020 und 2021 waren im Umfeld der Bushaltestelle und der Einmündung die verdächtig orange bewesteten Männer zu sehen, die mehr oder weniger unaufgeregt im Pulk mit Armen und Händen auf Unsichtbares verwiesen.

Es hieß also wohl bald “Start zur finalen Fassung”.

Das ist nun am 15. Januar passiert – und wird sich bis etwa April hinziehen – also bis April diesen Jahres. Wieder eine Großbaustelle “Kreisstraße”.
Aber es lohnt sich:
Die östliche Bushaltestelle wird dann am alten Platz beleuchtet und barrierefrei Busse anhalten lassen, um nach Norden zu fahren.
Die westliche Bushaltestelle wird weiter südlich barrierefrei und beleuchtet. Sie wird besser anfahrbar Busse halten lassen, die nach Süden fahren – in Kombination mit der neuen Ampelanlage reduziert sich auch das Problem, die Bundesstraße queren zu müssen.
 
Bis dahin aber: Kein Bushalt, mittlere Staus und – Abwarten.
 

Aktive Menschen, die für sich und ihre Familien, den Blick auf Kinder und Senior:innen haben, den langen Weg mitgehen, der bei so vielem nötig ist, Politik, die zuhört, Verwaltung, die das dicke Brett bohrt.

Engagement-Spuren im Selmer Alltag.

Jesaja Michael Wiegard

Geborener Sauerländer, kerngebildet als Theologe, jetzt Bildungswerker und Ressourcenbeschaffer, suchend und fragend, unterwegs seit 1967, zwischen Christentum und Sozialismus nach Gerechtigkeit suchend

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