Selmer Geschichten: “Volljährig” in Selm

Am Ende der Zeit

Mehr oder weniger plötzlich ist man dann volljährig. Also dann, wenn die Zahl “21” mich immer noch daran erinnert, dass das mal die Zahl der Volljährigkeit war.

Als ich geboren wurde, war die “21” die magische Zahl, um das Recht zu erhalten, eigenständig und ohne die bislang notwendigen Zustimmungen der Eltern das Leben “voll geschäftsfähig” selbst zu verantworten.

Mit dem 1. Januar 1975 war es dann so weit – wer 18 Jahre alt war, “durfte” dann nicht nur zu Bundeswehr oder in den Ersatzdienst, durfte dann nicht nur, auch rechtssicher, selbst seinen Beruf auswählen – er:sie durfte dann auch endlich die Verantwortung für die eigenen, ganz selbst gemachten richtigen und falschen Entscheidungen treffen. Und zum Beispiel umziehen oder heiraten.

Nur das Strafrecht blieb nachdenklich und fasst die 18 bis 20 Jahre alten Menschen in die Kategorie der “Heranwachsenden”, bei denen sich der Richter einen Kopf darum machen sollte, ob es “Jugendliche” oder “Erwachsene” sind.

Bis heute enden die einen oder anderen Grenzen noch mit der Vollendung des 21. Lebensjahres:

  • 0-Promille beim Autofahren
  • Ausschluss bestimmter Fahrerlaubnisse
  • Ausschluss von dem Recht, einen anderen Menschen zu adoptieren
  • und andere Beispiele

Deutlich älter als 21 war ich beim Zuzug nach Selm – und das letzte Jahr 2020 war dann das 21. Jahr, das ich nun in Selm lebe. Knapp vor dem “Jahrtausendende” in die Stadt gezogen, deren größte Faszination war, so erzählte ich damals gerne, dass ich mich gleich an drei Bahnhöfen in die weite Welt aufmachen konnte. Gut, es ging nur in zwei Richtungen und auch nur jeweils einmal die Stunde – aber es war ein gute Geschichte auf dem Weg ins 21. Jahrhundert.

Selm wählte zu der Zeit, im Herbst 1999, seine erste weibliche und zugleich erste hauptamtliche Bürgemeisterin Marie-Lies Coenen – an mir, an uns ging das völlig vorbei. 10 Jahre alt wurde damals das Städtische Gymnasium – auch das war mir nicht weiter aufgefallen.

Es hat ein paar Jahre gedauert, bis nach der Geburt unserer Tochter die Wurzeln in Selm stärker wurden und es nicht nur der Ort war, wo man halt weit genug weg vom Arbeitsplatz, nah genug an Münster und Dortmund, ansonsten aber sehr privat vor sich hinlebte.

Mich selbst hat das dann lange Jahre in kirchennahes Engagement gebracht, auch da gab es große Umbrüche zu beackern: Aus drei Kirchengemeinden wurde eine einzige (jepp, Cappenberg war da ein eigenes Thema), es gab Neubauten und Umbauten in den Kitas, einen Kirchabriss, Planungen und Projekte. Nach der “Selmer Pubertät” dann wohl doch dauerhaft in Selm angekommen – aber langsam ins politische gewechselt – Zeit, wieder an sozialistische, gerechtigkeitsorientierte Ideen anzuknüpfen.

Inzwischen hatte Selm den dritten hauptamtlichen Bürgermeister in der zweiten Amtsperiode. Ein krasser Gegensatz zu der Lähmung – die ich teils jetzt erst sah – es gab in der Tat Aufbruchstimmung: “Den Stein ins Rollen bringen” (jepp, diesmal spielte Cappenberg eine größere Rolle) war einer der Motto-Sätze. Fast total pleite zog Selm bis zum Erreichen meiner Selmer Volljährigkeit Ideen, Projekte und Fördermittel an sich.

2021 hat nun wieder die “Einundzwanzig” an den Start gebracht – 2000 sollten die Computer das Ende herbeiführen, 2012 endete der Kalender der Maya, 2020 hat sich einen echt miesen Ruf erarbeitet, die ersten freuen sich jetzt schon auf 2022. Dabei ist das Jahr kaum “a fortnight” alt – aber der eine oder die andere fühlt sich wohl eher wie im Rollenspiel FORTNITE – und damit im Kampfmodus.

Spannend, dieses Jahr, in dem das Jahrhundert volljährig wird (jepp, nach alter Rechnung) und die “Goldenen Zwanziger”(je nach Rechnung) beginnen (sollten).

Aktuell ist der Goldstandard des Lebens eher die Solidarität und der Blick auf diejenigen, die Unterstützung brauchen.

Abgekapselte Autonomie wäre dann wohl nicht das, was angesagt ist. Ich will nichts schönreden – aber manches “physical distancing” macht Raum für gutes “social connecting”.

Ach ja, letztes Jahr waren natürlich wieder Bürgermeisterwahlen – und “der Neue” verspricht, “nah dabei” zu sein. Wir werden sehen …

Persönliches:

Name:

Alter:

Geburtsort:

Beruf:

Ich wohne in Selm* seit:

Das mag ich an Selm* besonders:

Das fehlt mir in Selm*:

Mein Lieblingsort in Selm*:

Dafür bin ich dankbar:

Das kann ich besonders gut:

Hobby:

Lieblingsbuch:

Lieblingsfilm/Serie:

Lieblingsessen:

Lieblingsreiseland:

 

* Selm/Bork/Cappenberg

Jesaja Michael Wiegard

Born in 1967

Neheim-Hüsten, jetzt Arnsberg

Bildungsreferent // QMB // Projektmanager

1999

Die Vernetzung der Menschen untereinander

Ein gutes bezahlbares auch veganes Restaurant

Unser Garten, aktuell holt das Auenland auf

Neuanfänge

Ideen entwickeln

Bewegte Bilder und Bücher // Schräger Humor

Puh. Science Fiction. Fantasy.

Das Star Trek Universum

Saurer Sauerbraten mit Klößen

Irland

Jesaja Michael Wiegard

Geborener Sauerländer, kerngebildet als Theologe, jetzt Bildungswerker und Ressourcenbeschaffer, suchend und fragend, unterwegs seit 1967, zwischen Christentum und Sozialismus nach Gerechtigkeit suchend

3 Gedanken zu „Selmer Geschichten: “Volljährig” in Selm

    1. Lieber Reinhard,

      das Restaurant soll ja auch nur „auch“ vegan sein – die so kochenden haben tolle Rezepte und kochen mit guten Zutaten.
      Jederzeit bin ich willens, mit dir ein so sorgfältig gekochtes Eisbein zu essen und ordentlich zu begießen.

      Aber auch da: wo?

      1. Ja, gastronomische Vielfalt und ausgefallenes Angebot! Eisbein mit Stampfkartoffeln wird es ganz sicher geben, sobald die Landgaststätten wieder geöffnet sind. Ich freue mich schon, wenn ich in Selm eine Auswahl (mehrt als ein Gericht) an vegetarischen Angeboten finde. Es ist eigentlich bedauerlich, dass sich Gastronomen da offenbar nicht rantrauen, denn die Nachfrage nach vegan und vegetarisch wächst ja, langsam aber stetig.
        Bleibt der Ausflug nach Münster! Und der Griff ins vegane Regal bei DM.

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