Selmer Alltagsspuren: Kaum Spuren! Stille Nacht, neues Jahr

Ein wirklicher Freund von Feuerwerk und Knallkörpern zum Jahreswechsel bin ich nicht. Ich freue mich, um Mitternacht auf dem Balkon zu stehen oder auf die Straße zu gehen, an einen erhöhten Ort mit Ausblick, und das bunte Spektakel ein wenig zu beobachten. Ein Glas Sekt in der Hand, bekannten Menschen zuzuprosten, befreundete und geliebte Menschen zu umarmen und ein frohes neues Jahr zu wünschen. Die Knallerei möchte aber bitte nicht vor Mitternacht beginnen und um 00.20 Uhr aufhören!

Klar, als Kind liebte ich Zisselmännchen und als Jugendlicher die größeren Kaliber. Aber seit ich 20 bin, und das bin ich seit über 30 Jahren, habe ich wohl weniger als fünf Raketen in den Nachthimmel geschickt.

2020/21: Alles anders

Der zurückliegenden Jahreswechsel war anders. Feuerwerk und Knallkörper durften im Dezember nicht verkauft werden, an besonders beliebten Plätzen auch nicht abgefeuert. Wegen Corona! Nicht, weil das Abbrennen von Feuerwerk die Ausbreitung des Virus fördern würde, sondern weil in der Silvesternacht die Notaufnahmen der Krankenhäuser immer doppelt so viel Andrang haben, wie in der übrigen Zeit. Und die Krankenhäuser haben gerade anderes zu tun.

Und sagen Sie mal: War das nicht völlig entspannt? Schon die Tage „zwischen den Jahren“. In dieser Zeit war der näher kommende Jahreswechsel sonst deutlich hörbar. Je näher, desto lauter. Dieses Mal nicht. Hunde, Katzen und ich waren dankbar dafür. Die Silvesternacht: 20 Raketen am Horizont vom Balkon aus gesehen, nach einer Viertelstunde wieder ins Warme. Perfekt!

 

Neujahrsspuren 2020
Ein größerer Fußabdruck: Neujahr 2020 in Selm

Spaß darf sein

Auch wenn ich mich selbst nicht für die Knallerei begeistere, kann ich nachvollziehen, dass es vielen Freude macht. Mal die Sau raus lassen und mit dem Feuer spielen. Adrenalin spüren, vielleicht auch Testosteron, ist ja eher so ein Männerding. Im Prinzip gönne ich auch allen, die es mögen ihren Spaß, auch wenn ich es als störend empfinde.

Es wird sicherlich kein generelles Verbot geben oder Einschränkung. Katzen, Hunde und ich bedauern das! In diesem Jahr fand ich das Verbot aber absolut sinnvoll. Nicht alternativlos, eine Alternative wäre nämlich Rücksicht nehmen, aufpassen und so weniger Menschen zu verletzen. Das ist in Kombination mit Alkohol kaum zu erwarten, daher war ein Verbot sinnvoll.

Kaum Spuren der Silvesternacht …

Am Neujahrstag bin ich durch die Straßen spaziert und habe nach Spuren der Silvesternacht gesucht. Hier und dort fand ich Raketenstöckchen, einige Plastikhülsen lagen am Straßenrand und vereinzelt waren rote Flecken von der Schwarzpulververbrennung auf dem Pflaster zu erkennen. Es sind wohl Raketen geflogen über Selm. Entweder aus dem eisernen Vorrat, dessen Haltbarkeitsdatum noch nicht überschritten war oder aus anderen Quellen. Vielleicht ein Onkel, der kennt wen, der wen kennt – kennt man ja.

Einwegmaske im Gebüsch
Zeichen der neuen Zeit: Mund-Nase-Schutz entsorgt

… dafür Spuren einer neuen Zeit

Bei der Suche nach Überbleibseln vom Jahreswechsel ist mir eine andere Spur besonders aufgefallen: Einwegmasken in den Büschen. Das hat mich schon ein wenig traurig gestimmt und auch ratlos. Weshalb? Wer wirft das dahin?

Auch wenn ich Masken nicht unbedingt gerne trage und aus dem Supermarkt komme und sie endlich, endlich abnehmen kann, dann kostet es doch nicht viel Mühe, die Maske schön in die Tasche zu stecken und daheim zu entsorgen. Dann erinnere ich mich an den Neujahrstag im vergangenen Jahr und weiß wieder: Entsorgen ist nicht jedermanns/jederfrau Sache. Das bemerke ich auch an vielen Zigarettenschachteln und Schokoriegelpapier, die ich regelmäßig vor meiner Tür aufsammle und in den Müll bringe. Auch benutzte Mund-Nasen-Schutzmasken.

Beispielsweise bei Knallkörpern und Raketen würde es meine Akzeptanz deutlich steigern, wenn die Hinterlassenschaften am kommenden Tag von denjenigen entfernt werden würden, die in der Nacht damit Spaß hatten. Ich bin nicht generell gegen Spaß, aber vor allem für Rücksicht und Verantwortung.

Die Flasche mit Desinfektionsmittel steht bei mir übrigens neben dem Mülleimer.

Oliver Hübner

Oliver Hübner - Autor, Blogger und Webgestalter aus Selm und Schwerin, geb. 1968 in Unna

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