Selmer Alltagsspuren – Zeitung frei Haus? (Mehr) werbefrei wär ich dabei

Zwei Mal pro Woche kommt frei Haus der „Lüner Anzeiger“. Ein kostenloses Hausblatt mit Informationen und Artikeln mit Lokalbezug. Obwohl er die große Nachbarstadt im Titel trägt, greift der Lüner Anzeiger auch Themen aus Selm und dem übrigen Kreis Unna auf. Doch, das lese ich gern. Die Kolumne auf der Titelseite beispielsweise, mit einer Meinung, einem Kommentar oder einer persönlichen Anekdote zu einem aktuellen Thema, super! Ein klein wenig so, wie diese Kolumne, unsere Selmer Alltagsspuren.

Insgesamt ist der Lüner Anzeiger also eine feine Sache: Ich bezahlen nichts und habe nach dem Lesen immer etwas Papier, um den Komposteimer auszulegen. In der Theorie zumindest, und wie halte ich es in der Praxis?

Theorie und Praxis – die kostenlose Zeitung im Briefkasten

Den Lüner Anzeiger bekam ich in den Anfangszeiten, als ich neu nach Selm gezogen war, eine ganze Weile. Irgendwann nahm die Papierflut, die unerwünschte, die eingelegten Prospekte, einfach Überhand. Zudem hatte ich einen ungünstig geformten Briefkasten, die Zeitung schaute immer ein ganzes Stück raus und wurde regelmäßig nass. Nicht schön.

 

Lüner Anzeiger
Schaut größtenteils raus, ignoriert die Bitte: meine kostenlose Wochenzeitung

Einen Klebestreifen mit der Aufschrift „Keine Werbung“ hatte ich bereits angebracht, so bekam ich schon mal keine in Folie eingeschweißten Prospektstapel. Die Zeitung, mal nass mal trocken, kam weiterhin, irgendwann ergänzte ich die Aufschrift „Keine kostenlosen Werbezeitungen“. Danach steckte nur noch selten ein Lüner Anzeiger in meinem Briefkasten. Wenn er doch mal kam, war ich meist froh, wenn ich gerade kein Papier mehr für den Komposteimer hatte.

Neuer Postkasten, neues Glück

Vor zwei Wochen tauschte die Hausverwaltung unsere Briefkästen aus. Das Schild „Keine Werbung“ war im Lieferumfang bereits enthalten, super! Der Kasten ist nun auch größer, dann passt der Lüner Anzeiger ja komplett rein und wird nicht nass. Also lese ich ihn mal wieder, dachte ich, ist doch auch eine Würdigung der journalistischen Arbeit, die hinter solch einer Zeitung steckt. Schließlich gehöre ich auch zur schreibenden Zunft.

 

Keine Werbung
Dann bedarf es wohl einer deutlicheren Botschaft!

40 Gramm Zeitung, 550 Gramm Prospekte

So dachte ich bis letzten Samstag. Denn als die Zeitung kam, habe ich mich doch wieder geärgert und den Papierstapel gewogen: in 40 Gramm Lüner Anzeiger steckten 550 Gramm Prospekte. Und die Prospekte interessieren mich wirklich Null. Gibt es ernsthaft Menschen, die diese Werbeprospekte lesen und dann in das Geschäft gehen und die beworbenen Produkte kaufen? Muss es offenbar, denn sonst würden Aldi & Co. dafür nicht zahlen. Bei mir wandert das unangesehen in den Papiermüll, der häufig schon ein paar Tage vor Abholung übervoll ist. Und mein Umweltherz blutet.

Zu den 550 Gramm Prospekten kommt noch die Werbung, die in der Zeitung selbst enthalten ist, ich schätze mal grob: 30 %. Kleinanzeigen, Todesanzeigen interessieren mich nicht so sehr, vielleicht 5 bis 10 Artikel schon. Die passen auf zwei der zwölf Seiten. Die wiegen 6,6 Gramm. Das sind 1,1 % der 590 Gramm in meinem Briefkasten.

Okay, die Werbung ermöglicht es dem Verlag, die Zeitung zu schreiben, Redakteurinnen und Redakteure zu beschäftigen, nicht zuletzt die Botinnen und Boten zu bezahlen, die die Zeitung zwei Mal wöchentlich verteilen.
Aber geht das echt nur mit 98,9 % Ballast, den ich nicht brauche? Das ist wie eine 6-Tonnen-Limousine, die 50 Kilogramm Mensch durch die Stadt kutschiert: Höchst ineffizient.

Lieber Lüner Anzeiger, hier ist mein Kompromissvorschlag

Lieber Lüner Anzeiger: Wenn das ganze auch nur ein Stück verhältnismäßiger wäre, sagen wir zwei bis drei anstelle von zwölf Prospekten und wenn Ihr, liebe Botinnen und Boten es schafft, die Zeitung komplett in den Kasten plumpsen zu lassen, damit sie nicht nass wird, dann nehme ich die Zeitung sehr gern!

Falls das so gar nicht geht, weil das Eure Verlagsstrategie konterkariert und weil neben Edeka und Lidl auch Aldi, Rewe, Baumarkt und Bettenlager Prospekte an die Leserin und den Leser bringen möchten, ist es vielleicht möglich zwei Varianten anzubieten: die volle 590-Gramm-Dröhnung für alle Briefkästen ohne Aufkleber und die 40-Gramm-Sparversion für meinen Briefkasten, der explizit werbefrei sein möchte. Ich weiß nicht, was ich Euch als Leser Wert bin, vielleicht wird das durch die 30 % Werbung von 40 Gramm Zeitung abgedeckt.

Doch so, schweren Herzens, habe ich den Aufkleber, der meinen Briefkasten komplett werbefrei halten soll, auch vom Lüner Anzeiger, wieder angebracht. Falls das nicht ausreicht, habe ich mich bereits über deutlichere Maßnahmen informiert (siehe Foto unten). Und ja, ich fühle mich nun wie ein Kollegenschwein.

Oliver Hübner

Oliver Hübner - Autor, Blogger und Webgestalter aus Selm und Schwerin, geb. 1968 in Unna

2 Gedanken zu „Selmer Alltagsspuren – Zeitung frei Haus? (Mehr) werbefrei wär ich dabei

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.