Chance vertan – Kein Platz in der Stadt

Es war kein guter Start für das wohltätige Projekt.
Als “vorübergehende Unterbringungsmöglichkeit für Frauen” wurde die Idee des Selmer Heinz Knock und seiner “Heinz-Knock-Stiftung” (Stiftungszwcke: “Mildtätigkeit, Soziale Zwecke, Tierschutz”) im Dezember in einer Ausschusssitzung als kurze und knappe Mitteilung der Verwaltung vorgestellt. Schnell wurde im öffentlichen Gespräch aus dem “Angela-Knocks-Haus”, benannt nach seiner Ehefrau, ein “Frauenhaus”.

Das war allerdings ein Problem: Ein Frauenhaus als Anlaufstelle und kurzfristige Unterkunft für Frauen und ihre Kinder, die der Gewalt im eigenen Hause entfliehen müssen, ist immer möglichst versteckt und unbekannt – sonst besteht die Gefahr, dass die falschen Menschen in der Haustür stehen und ins Haus wollen.

Ein einziges solches Haus existiert im Kreis Unna, erreichbar über das
www.frauenforum-unna.de/schutz-und-beratung/frauenhaus/

Für Selm wurden die Missverständnisse bald ausgeräumt, es entwickelte sich die Idee einer betreuten Unterkunft für die Zeit nach dem Frauenhaus – also im Kern ein Wohnen in der Nähe und der Begleitung einer Beratungsstelle – die nächste ist ansonsten in Unna, knapp 40 km entfernt.

Die Stiftung hat ein Grundstück gekauft und den Dialog mit den Nachbarn gesucht – nun scheitert das Projekt nach Presseberichten aber vollständig: Die Nachbarschaft signalisiert einen so umfassende Ablehnung, dass der Stifter sich zurückzieht.

Überaus gefährdet wird der nachbarschaftliche Frieden anscheinend durch den Neubau von acht bis Appartements für Frauen mit Kindern und eine Beratungsstelle.

Die Ruhr Nachrichten Selm zitieren eine resignierte Verantwortliche des Frauenforums: “Die Frauen, für die das Haus gedacht ist, bilden eine Zielgruppe, die in Schwierigkeiten ist, die aber keine Schwierigkeiten macht”.

Der Hermann-Löns-Weg wird also das bleiben können, was er ist. Ein kleinteiliges Wohngebiet mit einer Gewerbebrachen mittendrin. Stellt sich die Frage, was mit dem Grundstück geschieht – eine gewerbliche Nachfolgenutzung wird die Nachbarschaft bestimmt mit großer Freude erfüllen. Alternativ bietet sich auf der Fläche eine innenraumverdichtende Wohnbebauung an. Ob das alles besser ist?

Das Projekt selbst bleibt zum Glück lebendig – und wandert aus.

Jesaja Michael Wiegard

Geborener Sauerländer, kerngebildet als Theologe, beruflich nun medienarbeitend, erfahren als Bildungswerker und Ressourcenbeschaffer, suchend und fragend, unterwegs seit 1967, zwischen Christentum und Sozialismus nach Gerechtigkeit suchend

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