Selmer Alltagsspuren: Hofbox

Von Patrickamackie2 (Patrick A. Mackie) - Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=96969458

Faszinierend...

Mitten in der Wüste und an vielen anderen Stellen weltweit tauchten in den vergangenen Wochen seltsame neue Objekte auf. Hier waren es hochglänzende Stelen, die an Science-Fiction-Objekte erinnern, die in einem 1968 veröffentlichten Film eine Schlüsselrolle gespielt haben.

Kurz vor Jahresende 2020 tauchte dann Ähnliches in Selm auf. In der Nähe der Feuerwache Selm war plötzlich eine Holzkonstruktion zu sehen.

Die erste Idee, das sei ein wunderbares neues Wartehäuschen für den Bus, war bald verworfen – dorthin kommt kein Bus, dort hält entsprechend auch kein Bus.

Ein paar Tage später löst sich das Rätsel auf:

In der Hof-Box finden sich Fleischwaren von Brüning, Knabbermöhren von Abendroth, Eier von Spinne – lokale Waren, die nun an sieben Tage je Woche für 24 Stunden am Tag zugänglich sind.

Die Hof-Box verspricht regionale Waren – im Gespräch mit Luis Brentrup kurz vor Jahresschluss klärt sich die Größe der Region – sie reicht zumindest bis Münster. Die Milchprodukte von Große-Küntrup, die Dosenkonserven von Tepe sind Produkte für Hofläden, die im Münsterland produziert werden. Bisher einziger Anbieter mit passenden Saucen ist “Krauts” – allerdings aus Baden-Württemberg, was die “Region” doch arg groß macht. Aber – für den Anfang war nicht alles regional oder gar lokal einzukaufen – der Grünkohl einer Massenmarke, der sich gut mit den lokalen Mettwürsten kombinieren ließe, lässt daher ein wenig grinsen und auf Besserung hoffen.

Ideologisch verbohrt sind die Anbieter:innen nicht – die Bestückung mit der Automaten folgt auch den abgefragten Kund:innenwünschen: So findet sich neben (münsterschen) Soft-Getränken von liba auch ein überaus bekannter bulliger Energy-Drink.

Zur Abrundung neben Honig ein wenig Süßkram – das Produktangebot ist wachsend und anpassbar.

Ein paar Tage nach dem Erstfund nun auch der Claim am Rand des Daches: “Hofbox – Iss von hier…”. Vor der Box Luis Brentrup, einer der drei Neu-Unternehmer:innen.

Die drei Geschwister Luis, Vitus und Marlene Brentrup, familiär in der Landwirtschaft verwurzelt, verfolgen mit der Idee, die im Master-Studim Agrarwissenschaft von Luis Brentrup entstand, vor allem den Ansatz, regionale Produkte auf einfachste Weise zu vermarkten.

Der Einkauf an der Hofbox, videoüberwacht (mit entsprechendem Hinweis) und gegenüber der Feuerwehr gut erreichbar und einsichtig von allen Seiten, kann bar, mit Karte oder komplett kontaktfrei über virtuelle Börsen auf den Handys bezahlt werden.

Die Anbieter verkaufen ihre Produkte gerne auf diesem Weg, immerhin verbleibt ihnen durch diesen Fast-Direktvertrieb ein höherer Anteil des Preises.

Aktuell laufen Gespräche mit weiteren Landwirten und Produzenten in und um Selm – eingeglaster Grünkohl bleibt schwierig, aber weiteres Obst und Gemüse oder anderes wird hinzukommen.

Das Gesamtprojekt ist noch in familiären Händen – und entsprechend werden Planung und Betreuung und Weiterentwicklung durch die drei Geschwister vorangetrieben.

Geschickt gewählt und hoffentlich vandalenresistent ist dieser Selmer Standort – und er hat in Bork bereits ein Geschwister. Derzeit sind beide gleich bestückt – bisher lassen sich im Kaufverhalten zwischen Bork und Selm auf Nachfrage noch keine Unterschiede festhalten …

Guten Absatz hat allerdings der Eiskaffee – die Produkte sind alle ganzjährig gut gekühlt und frisch.

In Planung ist eine Website – die dann auch Auskunft gibt zu den einzelnen Produkten und deren Anbieter.

Tja, keine Science Fiction, aber dafür sehr lebenspraktische Technik im Einsatz. Klasse, dass Selm in den “nachwachsenden Generationen” frische Ideenfinder hat. Gutes Gelingen!

Jesaja Michael Wiegard

Geborener Sauerländer, kerngebildet als Theologe, jetzt Bildungswerker und Ressourcenbeschaffer, suchend und fragend, unterwegs seit 1967, zwischen Christentum und Sozialismus nach Gerechtigkeit suchend

2 Gedanken zu „Selmer Alltagsspuren: Hofbox

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