Klimafasten, Woche 5: Insektenhotels und Stadtgrün

Die Nachricht hatte mich damals schockiert und nachhaltig beunruhigt: Im Jahr 2017 stellte eine Studie von Krefelder Insektenkundlern einen dramatischen Rückgang der Insektenpopulationen fest:

Drastische Bestandseinbrüche lassen sich klar nachweisen. Bei den Erhebungen in 63 deutschen Schutzgebieten zwischen 1989 und 2016 ist ein Rückgang von 76 Prozent (im Hochsommer bis zu 82 Prozent) der Fluginsekten-Biomasse festgestellt worden. (Quelle: BMU)

Diese Woche steht im Zeichen des Insektenschutzes und der Stadtbegrünung, es ist die fünfte Woche der Aktion Klimafasten der Stadt Selm.

Plan für Klimafastenwoche 5

Diese Woche:

  • informiere ich mich über bienenfreundliche Blumen
  • baue ich ein Insektenhotel für den Garten oder Balkon
  • informiere ich mich über Dach- und Fassadenbegrünung

Ein Hotel für Insekten

An meiner Joggingstrecke entlang der Funne steht dieses große Insektenhotel. Es bietet unterschiedlichste Materialien mit Schlupfwinkeln und Zwischenräumen für die Bedürfnisse der verschiedenen Insektenarten.

Ich stand schon mal längere Zeit begeistert vor solch einem Insektenhotel und habe die verschiedenen Hotelzimmer begutachtet, die lehmgefüllten Schilfrohre der Wildbienen, Tannenzapfen und Moos, in dem Käfer krabbelten, Ziegelsteine mit Nieschen und Zwischenräumen zum Nisten. Ich habe mich über alles gefreut, was dort krabbelte. Im vergangenen Jahr habe ich mir ein kleines Insektenhotel für unseren Balkon besorgt.

Auch wenn es nur das einfache Modell Baumarkt ist, komme ich so um die Bastelaufgabe für diese Woche herum. Schwachpunkt: Im Blumenkasten neben dem Insektenhotel, das sind Primeln. Die gehören nicht zu den Top-Empfehlungen für bienenfreundlichen Balkonblüher. Das wären bei Balkonblumen eher Goldlack, Kapuzinerkresse, Verbene, Männertreu, Wandelröschen und Löwenmäulchen, siehe Link zu ” Schlaraffenland für Bienen”.

Weitere Recherche ergab jedoch, dass Bienen und Hummeln Primeln anfliegen, vor allem die Sorte mit gelben Blüten.

Insektenhotel
Klein aber mein: Insektenhotel am Balkon

Insektenhotel oder Vogelrestaurant?

Leider wird unser Insektenhotel noch nicht so gut angenommen. Das einzige Tier, das ich hin und wieder am Kasten beobachten konnte, ist eine Meise. Also haben wir eher ein Vogelrestaurant als ein Insektenhotel. So ist halt die Natur!

Natürlich ist es widersprüchlich, für Insekten extra angefertigte Kästen aufzustellen. Denn Insektenhotels sind gewissermaßen gezähmte Natur, die wir den Insekten anbieten, da wir Steinhaufen und Totholz in der Natur gerne beseitigen. Die Flächen mit natürlichen Landschaften, Auen, Hecken und Feldraine gehen über die Jahre weiterhin zurück, auch wenn langsam ihr Wert erkannt wird.

Und glücklicherweise findet auch ein Umdenken statt. Neben den Insektenhotels werden auch in der Natur mehr und mehr Flächen für Insekten und wild wachsende Pflanzen angeboten. In Selm sind das beispielsweise Blühstreifen entlang der Ackerflächen und bepflanzte Baumscheiben. Auch wenn der Trend in vielen Einfamilienhaussiedlungen noch zum Steingarten geht.

Bauanleitung Insektenhotel

Materialien:
  • alte Blechdose
  • Deko (Wolle, Perlen)
  • Schere
  • Klebstoff
  • Draht
  • Füllmaterial: Bambusstäbe, Röllchen aus Wellpappe, Holzwolle, Stroh, dünne Zweige
 
Schritt 1:
Die alte Blechdose reinigen und ein kleines
Loch in den Boden stechen (nah am Rand).
Schritt 2:
Die Dose dekorieren. Dazu kann sie zum
Beispiel mit Wolle umwickelt und mit Perlen beklebt
werden.
Schritt 3:
Den Draht durch das Loch am Boden und
durch die Dose hindurch ziehen. Dann die Drahtenden miteinander verdrehen. Er dient später zur Befestigung des Insektenhotels.
Schritt 4:
Das Füllmaterial in die Dose stecken und
einen geschützten Ort im Garten oder auf dem Balkon
finden.
(Aus dem Wochenplan zum Klimafasten)

Grün am Haus, Grün aufs Dach

Doch nicht nur im ländlichen Raum kann viel für die Natur getan werden. Auch Maßnahmen innerhalb der Stadt können naturnahe Flächen zurückgeben, die der Umwelt, Mensch und Tier dienen.

Das geht im Großen mit dem Begrünen von Fassaden und Dächern. Aber auch im Kleinen: Die Stadt Utrecht hat begonnen, die Dächer von Bushaltestellen zu bepflanzen. Viele deutsche Kommunen machen dieses Beispiel nun nach. Auch Selm ist aktiv, beispielsweise mit der Aktion “Selm pflanzt”.

Dach- und Fassadenbegrünung für das Klima

Einen wirklich umfassenden Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas kann Fassaden und Dachbegrünung leisten. Das filtert Staub aus der Luft, trägt zur Wärmedämmung von Gebäuden bei, hält Regenwasser zurück, reduziert Lärm und trägt nicht zuletzt zu mehr psychischem und physischem Wohlbefinden der Menschen bei.

Dieser allumfassende Effekt überrascht mich doch, auch wenn es mich nicht wundert. Einige dieser Effekte habe ich erwartet, doch die gesamte Liste ist überzeugend. Und da frage ich mich: weshalb wird das so wenig umgesetzt? Auch die Bienen, stellvertretend genannt für alle heimischen und zugezogenen Insektenarten, und diejenigen, auf deren Speisezettel sie stehen, würden sich über mehr Grün in der Stadt ganz sicher freuen!

 

Links zur Fastenwoche 5

Studie zum Insektensterben

Schlaraffenland für Bienen

Begrünte Bushaltestellen

Vorteile der Gebäudebegrünung (Green City)

Aktion “Selm pflanzt”

 

Das Klimafasten ist eine Aktion der Stadt Selm und wird von der Klimamanagerin Lea Freese koordiniert.

Oliver Hübner

Oliver Hübner - Autor, Blogger und Webgestalter aus Selm und Schwerin, geb. 1968 in Unna

Vielleicht gefällt dir auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.