Selmer Alltagsspuren: Danke für nichts!

“Vielen Dank, dass Sie für Ihre Fahrt durch Selm den Sandforter Weg benutzen! Das freut uns sehr und alle Anwohner ebenfalls. Wir wünschen Ihnen noch eine gute Weiterreise und einen schönen Abend, beehren Sie uns bald wieder.”

So viel Text passt nicht auf das Schild. stattdessen steht dort ein schlichtes “Vielen Dank”, in grünen Leuchtbuchstaben. Wofür das Schild sich bedankt? Das steht weiter oben: “Bitte langsam”. Und bei der Durchfahrt des nächsten Autos wird die Information noch deutlicher: “Tempo runter” steht dort,  nun in roter Schrift.

Gut. Schön. Ein Schild bedankt sich dafür, dass sich Verkehrsteilnehmer an die Straßenverkehrsordnung halten. Sollte das nicht selbstverständlich sein? Bald steht an jeder roten Ampel: “Danke fürs Stehenbleiben!”

Nein, das weckt Assoziationen. Zum Beispiel: “Danke für Ihre Reise mit der Deutschen Bahn!” Obwohl, diese Verabschiedung am Zielbahnhof kann ich besser verstehen, denn ich bezahle ja mit meiner Fahrkarte auch die Marketingabteilung der Deutschen Bahn AG.

Anderes Beispiel: “Vielen Dank, Sie haben eine einfache Tür sehr glücklich gemacht!” Diese Variante für “Danke für nichts” stammt aus “Per Anhalter durch die Galaxis”. Die Türen eines Raumschiffes wurden auf Freundlichkeit programmiert und bedanken sich, wenn man sie benutzt.

Tempo runter
Tempo runter - erwischt, aber besser als geblitzt ...

Entspannt im Urlaub? Nein, ich rollte zu schnell!

In Selm sind mir jüngst zwei dieser Dankestafeln aufgefallen. Eine an der Waltroper Straße in Bork und eine in Höhe des Sportplatzes am Sandforter Weg.

Doch auch die Einsicht kommt. Vor zwei Jahren im Sommer, entspanntes Fahren über Land im Frankreichurlaub. In jedem zweiten Ort begrüßte mich ein böser Smiley mit der Nachricht “Vouz roulez à 58 km/h”, also ich würde deutlich zu schnell rollen. “Mensch”, dachte ich, “Junge, wieder gepennt!” Meinen Ehrgeiz, das böse rote Smiley noch vor dem Schild in ein freundliches Grünes zu verwandeln gelang nicht immer. Doch auch nach dem Schild fuhr ich langsam durch den Ort. Damals empfand ich die freundliche Mahnung an wirklich jedem Ortseingang sinnvoll. Denn ich wollte ja nicht zu schnell fahren. Nein, ich wollte das grüne Smiley!

Ob es nun böses Smiley, gutes Smiley oder die Mahnung “Tempo runter” und ein freundliches “Danke” ist, vermutlich ist es sinnvoll,. Auch wenn es wie ein Dank für etwas Selbstverständliches erscheint. Und mehr Höflichkeit im Straßenverkehr ist schließlich nicht verkehrt.

Danke übrigens, dass Sie diesen Artikel bis hierher gelesen haben. Sie haben einen einfachen Redakteur sehr glücklich gemacht.

Oliver Hübner

Oliver Hübner - Autor, Blogger und Webgestalter aus Selm und Schwerin, geb. 1968 in Unna

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert