Selmer Alltagsspuren: Nah am Wasser

Zwischen Funne, Südfeldbach, Paßbach, ...

Ende Januar strömt in den Bächen rund um und quer durch Selm das Wasser in großen Mengen und diversen Einfärbungen. In diesem Jahr erinnert mich das sehr daran, dass das eigentlich der langsam schmelzende Schnee ist, der da hinwegströmt. Mehr als Erinnerung ist das aber nicht, Schneeräumen entfällt diesen Winter, bislang.

Besonders schön ist es natürlich, mit den dunklen Tönen des Abends unterwegs zu sein. Hier an der Funnebrücke im Norden Selms. Die Farben wechseln ganz schnell – wenn die Dunkelheit kommt.

Auf der Ludgeri-Gräfte, einem Gewässer ohne Bachanschluss, dämmern Enten im Halbdunkel des Abends, der Rest des Enten-Trupps ruht auf der Uferwiese.

Abendenten an der Ludgerikirche; Selmagazin 2021 / 01; JMW

Wenn es regnerisch ist, füllen sich nicht nur die Bäche. Auch einige Wegstellen bilden Wasserflächen aus und ermöglichen schöne Spiegelungen - hier neben dem Licht der Laterne der Turm der Ludgerikirche.

Es ist eine schöne blaue Stunde, die sich da am Abend nah am Wasser entfaltet. Spiegelungen, schwimmende Enten, Wasserströme … Und quer durch Selm zieht sich ein Netz von Bächen, die ineinander fließen. Einige, vor allem die Funne, wurden bereits renaturiert.

Funne und Selmer Bach vernetzen Selm dann auch wieder mit den “Wasserzwischenräumen” an der Stever und am Ternscher See.

Da wird sich im Lauf des Jahres wohl noch die eine oder andere Geschichte aus den Spuren entwickeln.

Im Cappenberg Wald schlängelt sich die Funne an den einzelnen Bäumen vorbei. Es ist gut erkennbar, warum der Bach oft so unklar ist - er nimmt viel Sandboden mit auf seinem Weg. Auch wenn er hier sehr klar aussieht. Für den Selmer Bach gab es eine eher beiläufige Würdigung in 2018: In jenem Jahr wurde der „Sandige Tieflandbach“ zum "Gewässertyp des Jahres" erwählt: Auch im Norden des Kreises Unna sind solche kleinen Bäche zu finden, hieß es damals in der Pressemitteilung. „Insbesondere die kleinen Fließgewässer in Bergkamen, in Lünen, Selm, Werne sowie teilweise in Kamen und Unna gehören zum Gewässertyp des Jahres 2018“, weiß Marten Brodersen, Leiter der unteren Wasserbehörde beim Kreis. Beispielhaft nennt der Fachmann die Fließgewässer Beverbach, Funne, Horne und den Selmer Bach. Typisch für den „Sandigen Tieflandbach“ ist ein stark mäandrierender Verlauf in einem flachen Mulden- oder breiten Sohlental. „Die Prall- und Gleithänge sind deutlich ausgeprägt und Uferabbrüche kommen häufiger vor“, erklärt Brodersen und weiß auch: „Das Strömungsbild ist gekennzeichnet durch den Wechsel ausgedehnter ruhig fließender mit kurzen turbulenten Abschnitten an Totholz- und Wurzelbarrieren sowie Kehrströmen an Kolken.“

Das bedeutet leider nicht, dass es dem Bach besonders gut geht. In diesem Jahr müsste ich mal schauen, wie es den Beiden geht, die sich da fast rundum Selm schlängeln, beide von Osten aus in Richtung Stever starten: Ob die “Zielerreichung 2021” gelingt.

Jesaja Michael Wiegard

Geborener Sauerländer, kerngebildet als Theologe, jetzt Bildungswerker und Ressourcenbeschaffer, suchend und fragend, unterwegs seit 1967, zwischen Christentum und Sozialismus nach Gerechtigkeit suchend

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2 Gedanken zu „Selmer Alltagsspuren: Nah am Wasser

  1. Die untere Grafik ist sehr interessant. Was bedeutet es denn, wenn die Gewässer in Rot dargestellt werden? Sind die dann belastet (Nitrate etc.) oder eher sandig/lehmig und damit für Tiere als Lebensraum wenig geeignet?
    Ich habe den Link zum Umweltbundesamt mal verfolgt, da erschienen beide Flüsse in Blau …

    1. Vielen Dank für die Rückfrage – die Färbungen wie in obigem Screenshot siehst du nur, wenn du in das Jahr 2018 wechselst. In 2020 sind beide blau, weil sie nicht zum Gewässertyp des Jahres gehören – farbig differenziert sind immer nur die Flüsse und Gewässer, die in eben jenem Jahr präsentiert werden.

      Da muss ich wohl gründlicher recherchieren und auch den Herrn der Karten mobilisieren.

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