Selmer Alltagsspuren – Lob der Ampel

Ach Mist, schon wieder Rot. Kommt doch gar keiner. Warum stehe ich jetzt hier rum? Muss doch nicht sein! Menno!

– Auf-Lenkrad-klopf-Geräusch

 

Wenn ich einmal quer durch Selm fahre, zum Beispiel auf der Bundesstraße 236 von Lüdinghausen nach Lünen, passiere ich genau fünf Ampeln, an der Overberg-Schule in Selm, an der Gutenbergstraße zum Gewerbegebiet, am Südwall in Bork sowie die beiden Anforderungsampeln an den Bushaltestellen Haus-Berge-Straße (wir berichteten) und am Gartencenter in Bork. Zusätzlich gibt es sieben Kreisverkehre.

Okay, atmen: einatmen, ausatmen! Soo schlimm ist das doch jetzt auch nicht, Pause machen.

– schaltet Radio ein

Immer noch Rot!

– summt Melodie im Radio mit

Ach, ich habe es ja gar nicht eilig, ist doch auch nicht verkehrt. Zur Ruhe kommen, Gelassenheit trainieren. Wo findet man das schon im Alltag? Jemanden, der einem sagt: halt mal an! Mach mal  Pause! Jetzt sind die anderen dran! Wo findet man das sonst in dieser hektischen Zeit? Immer heißt es: hopp-hopp, mach schnell. Dieser Leistungsdruck. Die Ampel befreit mich davon! Danke Ampel!

– Your love is my sweet memory

Und die Ampel behandelt ja auch alle gleich. Die macht keinen Unterschied zwischen BMW-SUV und Daihatsu Cuore. An der Ampel müssen alle warten, klein groß, schnell, langsam, alle. So, weiter geht’s … he, nun fahrt doch auch! Warum fährst Du da vorne denn jetzt nicht? Was, auf Fußgänger achtern? Arrrrrgggg!

– Someday I′ll return, wait and see

Nein, das darf doch jetzt nicht wahr sein! Wieder Rot!  Dieser dummer Algorithmus. Der darf doch nicht über mein Leben bestimmen! Von dem lasse ich mir nicht sagen, wenn ich fahren darf! Wenn ich fahren will, dann fahre ich … ich … ich atme besser nochmal: ein, aus, ein, aus …

– Walk in the sand and I’m happy with you

Ruhe, ja besser. Die Ampel spendet mir eine Phase der Ruhe! Eine Insel der Entspannung in einem stressigen Alltag. Einatmen, ausatmen. Vor der Ampel sind alle gleich! Ob SUV, Lieferwagen, Linienbus, Fahrrad oder Oma mit Rollator.

– We shall be loving and true

Obwohl: letztlich war ich mit dem Fahrrad unterwegs, da musste ich zum Abbiegen zwei Ampelphasen abwarten und mit dem Auto nur eine. Ich kenne sogar Kreuzungen, da muss der Radverkehr zum Geradeausfahren mindestens drei Ampelphasen warten. So geht Gleichbehandlung doch nicht! Und Frau Schulze schafft es mit ihrem Rollator oft nicht innerhalb der Grünphase auf die andere Straßenseite, dann bekommt sie Stress.

– I will always be faithful and true

Also doch lieber Kreisverkehr statt Ampel. Da hat der Radverkehr Vorfahrt und Frau Schulze kann in Ruhe auf dem Zebrastreifen erst die eine Fahrbahn, dann die andere Fahrbahn überqueren. Und ich in meinem Auto kann ja in Ruhe warten, ich habe es warm und bin vor Wind und Wetter geschützt. Und kann ganz in Ruhe ein- und ausatmen.

– Sun of Jamaika, Blue Lady Malaika …

Wieso höre ich eigentlich WDR 4? Moment …

– Red, gold and green, red gold and gre-he-he-heen

Besser.

Oliver Hübner

Oliver Hübner - Autor, Blogger und Webgestalter aus Selm und Schwerin, geb. 1968 in Unna

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