Selmer Alltagsspuren:
Bauen kann nur Habich, nicht Hättich.

Stein gewordene Veränderung

Bei den Spaziergängen, in der Regel begleitet von einem kleinen schwarzen Hund, aber auch allein auf dem Fahrrad, stoße ich immer auf die kleinen Bauveränderungen, die langsam und stetig die Stadt neu und anders prägen.

Nicht alles ist groß, rot und eckig. Oder wirkt fast wie ein eigener Stadtteil, so geht es mir mit den Gebäuden am Campus und später im Auenpark. Was ich gut finde.


Nicht nur Neubauten sind zu entdecken, auch Sanierungen, Umbauten, teils witzige Lösungen, um neuen Wohnraum zu schaffen. Die ganze Bandbreite ist vertreten – gewonnen hat teils die Notlösung, teils das verliebte Detail, manchmal auch der geniale Einfall.


Eine ganz faszinierende Baustelle bietet die Seilandstraße nahe an ihrem Beginn. Dort stehen zwei kleine Häuser nebeneinander, eng und niedrig, die ich in die Abteilung “wirklich alt” einordnen würde. Das eine kenne ich nur als bewohntes Haus, das andere stand lange leer, hat vor ein paar Jahren wohl den Besitzer gewechselt und wird seit Monaten wieder ins Leben zurückgeholt. Vom untersten Fußboden bis zum Dach entkernt und – wie es scheint – als “Haus im Haus” wieder aufgebaut, mit einem angehobenen Dachstuhl und mit neuen Fenstern. Noch lange nicht fertig – aber auf mich wirkt das wie ein guter Versuch, “das Alte” zu erhalten und “das Neue” möglich zu machen.


Man merkt den einzelnen Baubemühungen natürlich gelegentlich auch an, dass es keine leitende Idee gibt, das manches “nur” darauf zielt, ein Maximum an Wohnraum zu manchmal niedrigen Preisen zu erreichen. Die Dynamik ist allerdings insgesamt erstaunlich hoch, es deutet sich auch ein deutlicher Generationenwechsel an. Die Standardbauten der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts verändern sich, manches aus dieser Zeit wird abgerissen und verschwindet.


Das “Wohnungsmarktprofil für Selm 2020” lässt bei einem ersten, noch provisorischen Blick auch erkennen, warum das so sein kann // muss // soll: Eine Generation nach den 1980/1990er-Jahren steht Veränderung an – mit 27,4% stammen überdurchschnittliche viele Wohngebäude aus dieser Zeit. Bis zu dieser Phase war die Bautätigkeit stets teils deutlich unter dem Landesschnitt – kaum anders zu erwarten bei einer “Notstandsgemeinde”.


Das Wohnungsmarktprofil bietet noch spannenden Lesestoff … aber: es ist gerade ganz frisch.

Das kann nur eins bedeuten: “Wir kommen darauf zurück.”

Jesaja Michael Wiegard

Geborener Sauerländer, kerngebildet als Theologe, jetzt Bildungswerker und Ressourcenbeschaffer, suchend und fragend, unterwegs seit 1967, zwischen Christentum und Sozialismus nach Gerechtigkeit suchend

2 Gedanken zu „Selmer Alltagsspuren:
Bauen kann nur Habich, nicht Hättich.

  1. Hallo, wir sind die Besitzer von den Haus in der Seilandstr. 1. Uns hat es sehr gefreut, dass wir in ihren Bericht erwähnt worden sind. Sollen sie interesse haben, mehr über das Haus zu erfahren und vielleicht es auch mal von innen zu sehen, dann melden sie sich doch einfach bei mir.
    MfG
    Sonja Volle

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